Kurzgeschichten

Kurzgeschichten 

 

  • Was der Buddha bezüglich Leiden nicht bedachte: Emotionale Desintegration auf Beziehungsebene als Ursache von Leiden

           Der Mensch ist neben dem Schmerz, den eine Existenz als empfindsames Lebewesen unabwendbar mit sich bringt, auch von psycho-emotionalem Leiden betroffen, das er selbst generiert. Eine gängige Metaperspektive auf Leiden und dessen Aufhebung ist die buddhistische, bei der Leiden als kausale Folge von Anhaftung definiert wird. Es ist eine recht entmenschlichte Perspektive, weil sie Verlangen und Anhaftung als Leidensursache ausmacht, aber nicht erörtert, was wir mit dringendem Verlangen und zwanghafter Anhaftung auszugleichen versuchen. Die sogenannten vier edlen Wahrheiten des Buddhas lauten folgendermaßen: „Das Leben im Daseinskreislauf ist leidvoll: Geburt ist Leiden, Altern ist Leiden, Krankheit ist Leiden,...
  • Ein Plädoyer für kollektive Heilung

    Kollektiv gibt es vielleicht keinen größeren sozialen Kontext von Traumatisierung als den Kriegszustand. Auch in kriegsfreien Gefilden schwingen die unzähligen erbarmungslosen Auseinandersetzungen der Vergangenheit in den Nervensystemen nach. Ungelöste Traumata einer Nachkriegsgeneration werden unbewusst an die jeweils nächste Generation weitergegeben. Trauma ist nicht ein bestimmtes äußeres Ereignis, sondern die darauffolgende Reaktion des Nervensystems, üblicherweise in Form von Erstarrung freien Energieflusses. Wie flexibel und resilient ein Nervensystem auf äußere Ereignisse reagiert, wird dadurch geprägt, inwieweit es in den ersten Lebensjahren Stabilität durch ein reguliertes Nervensystem der Bezugspersonen erfahren hat. Wenn die ersten Lebensjahre von dysregulierten Nervensystemen der Bezugspersonen geprägt werden, ist...
  • Die Quintessenz von C.G. Jungs Metaphysik nach Bernardo Kastrup

    Bernardo Kastrup formuliert im 2021 erschienenen Buch „Decoding Jung’s Metaphysics“ eine gelungene Zusammenfassung der ontologischen Philosophie von C.G. Jung – und erklärt nebenbei die Bedeutung des Lebens. Dabei wird deutlich, wie eng Psychoanalyse, Philosophie und Spiritualität verwoben sind. Synchronizität Der berühmteste Begriff aus der jungschen Psychoanalyse, der in den allgemeinen Sprachgebrauch aufgenommen wurde, ist der der Synchronizität. Grundsätzlich wird von Synchronizität gesprochen, wenn ein innerer psychischer Vorgang mit einem äußeren physischen Ereignis semantisch akausal korreliert. Die Bedeutungsäquivalenz sollte derart deckungsgleich und unerwartbar sein, dass das Ereignis über die Definition eines Zufalls hinausgeht. Jung gab als prototypisches Beispiel eine Analysesitzung an,...
  • Der autoritäre Charakter – eine Bestandsaufnahme

    Durch die Hedonisierung des Lebens in den letzten Jahrzehnten galt die Persönlichkeitsstruktur des Autoritären Charakters, wie ihn Fromm und Adorno beschreiben, als abnehmendes Phänomen. Infolge der Coronakrise gelang der Autoritäre Charakter wieder an Aufwind. Allerdings tritt er weniger als spezifisch individuelle Persönlichkeit in Erscheinung, sondern als Bündel von Verhaltensphänomenen, die kollektiv zunahmen beziehungsweise an die Oberfläche kamen. Ohne frühkindliche Traumatisierung sind entsprechend rigide Verhaltensweisen nicht möglich, da ihnen ein zwischenmenschlicher Verbindungsverlust vorausgegangen sein muss. Egal ob wir die Züge bei uns selbst oder bei anderen ausmachen, die richtige Antwort lautet immer Verständnis und Liebe. Zur Bewusstmachung ist es nichtsdestotrotz sinnvoll,...
  • Warum psychische Krankheiten keine sind – eine neurozeptive Perspektive

    Zugegebenermaßen ist der Titel plakativ. Natürlich ist emotionales Leiden ein psychisches Problem und hat Vorgänge im Gehirn. Allerdings wird es schwer zu behaupten, dass jemand, der aufgrund einer Schilddrüsenfehlfunktion unter Depression leidet, eine psychische Krankheit hat. Ist die Schilddrüsenfehlfunktion behoben, verschwindet auch die Depression. Der Grund des Leidens lag im Körper und wurde dort behoben. Dieses Prinzip gilt jedoch nicht nur im Fall einer Schilddrüsenfehlfunktion, sondern für die meisten psychischen Leiden. Die kassenärztliche Versorgung hat zwei Angebote für Menschen, die unter sogenannten psychischen Störungen leiden: psychoaktive Substanzen zur Symptomunterdrückung und Gesprächstherapie, bei der es um Verstehen und ebenfalls Symptomminderung geht....
  • Warum weder Non-Dualität noch klassische Gesprächstherapie ein Entwicklungstrauma heilen können

    Non-Dualität ist ein Begriff für das EINE. Du als die eine Absolutheit des Selbst. Vollkommenheit, in der alles darf. Entwicklungstrauma ist ein Bindungstrauma. Es ist das Ergebnis eines missglückten Verbindungs(v)ersuches einer Individualisierungsdissoziation des Einen mit einer Bezugsperson. Wer in Samadhi ist, hat dieses Problem nicht, aber wer ist das schon permanent? Zur Heilung eines Bindungstrauma ist daher ein Zweiter oder Anderer als Bezugsperson vonnöten. Entwicklungstrauma ist der Zustand eines Säugetiers, das sich in der Welt nicht sicher fühlen kann. Um das Sicherfühlen zu lernen, benötigt es mindestens ein weiteres Säugetier, mit dem es lernen kann, sich bedingungslos sicher zu fühlen....
  • Das psychotherapeutische Potenzial psychedelisch wirkender Tryptamine und dessen gesellschaftliche Stellung

    Marcel Levermann: Das psychotherapeutische Potenzial psychedelisch wirkender Tryptamine und dessen gesellschaftliche Stellung. In: Akzeptanzorientierte Drogenarbeit. ISSN 1861-0110. Veröffentlicht in: Journal-Archiv: Akzeptanzorientierte Drogenarbeit/Acceptance-Oriented Drug Work   Abstract deutsch Neue Studien mit Psilocybin, LSD, Ibogain, 5-MeO-DMT sowie DMT in Verbindung mit MAOI beweisen, dass psychedelisch wirkenden Tryptaminen ein hohes therapeutisches Potenzial innewohnt. Beispielsweise bewirkt eine hochdosierte Einnahme von Psilocybin im Einsatz gegen Depression sowie Angst am Lebensende eine hochsignifikante Steigung des Wohlbefindens, die über Monate stabil bleibt. Psilocybin ist eng verwandt mit dem endogenen DMT, das neben dem ebenfalls endogenen 5-MeO-DMT die von allen psychedelisch wirkenden Substanzen unbestritten dezidierteste psychedelische Auswirkung evoziert. Dieses...
  • Wie man das Immunsystem gegen Krankheitserreger stärkt

    In Zeiten biologischer Bedrohungsnachrichten ist der Fokus der Mainstreammedien – wie immer – auf das Äußere gerichtet. Das Gesundheitssystem wird beschworen, Schutzmittel werden gehortet, Politikern werden Entscheidungen abverlangt. Das Wichtigste in dem Zusammenhang gerät aus dem Blick: Das Innere, unser eigenes Immunsystem. Es folgt eine Zusammenstellung jener Themen, die für den Aufbau und Erhalt eines stabilen, kräftigen Immunsystem entscheidende Faktoren sind. Einige der Themen haben natürlich noch andere Aspekte, die hier nicht angesprochen werden. Das liegt nicht daran, dass ich ein Thema wie Meditation auf körperliche Optimierung reduzieren möchte, sondern daran, dass es in dieser Zusammenstellung darum gehen soll, was...
  • Das Missverständnis vieler Meditationsbeginner

    Wer mit Meditation beginnen möchte, hat meistens ein bestimmtes Bild vor Augen, eine bestimmte Vorstellung, was richtige Meditation sei, was dabei passieren sollte und was dabei nicht passieren sollte. Doch wenn ein Novize sich der Meditationspraxis widmen möchte, stellt er rasch fest, dass das, was bei ihm passiert – oder nicht passiert –, nicht dem entspricht, was seiner Meinung nach idealerweise passieren sollte. Anstatt im Lotussitz gerade sitzen zu können, bekommt man Rückenschmerzen. Anstatt in Ruhe einkehren zu können, findet der Gedankenstrom keine Rast. Anstatt Beruhigung zu finden, nimmt ein Gefühl von Unruhe und Nervosität zu. Anstatt Emotionen abzukühlen, flammen...
  • Die Kunst des Weinens: Das heilsame Potential von Authentizität

    Das Phänomen des Weinens und unsere Emotionalität sind eng verknüpft: Laut einer Studie beeinträchtigt Weinen die Konzentrationsfähigkeit eines Erwachsenen mehr als Maschinengeräusche gleicher Lautstärke. Weinen ist nicht ein besser zu unterdrückender überflüssiger Appendix ungereifter Kindlichkeit, sondern essentiell für emotionalen Tiefgang eines voll entwickelten Subjekts und damit verbundene Selbstakzeptanz. Wir alle kennen neben Tränen des Leids auch Tränen der Freude oder Tränen der Gerührtheit. Weinen ist also nicht gleich Weinen. Wenn wir aus Freude oder Gerührtheit weinen, geschieht dies in der Regel ohne Mitwirkung des Verstandes. Weinen wir aus Leid, schaltet sich der Verstand jedoch gerne ein und bewertet sowohl den...
  • Rollentheorie in Bezug auf die Bildung von Identität

    Der Kulturanthropologe Ralph Linton legte in seinem 1936 erschienenen Werk „The Study of Man“ die Grundlage der soziologischen Rollentheorie. Darin erarbeitete er eine Unterscheidung zwischen Sozialem Status und Sozialer Rolle. Während der Status die Position eines Individuums in einem kulturell bestimmten Muster sei und mit bestimmten Rechten und Pflichten einhergeht, versteht Linton die Rolle als die individuelle Ausfüllungsart dieser Position. Er bringt seine Begriffsbestimmung auf den Punkt, wenn er die Rolle als „Gesamtheit von kulturellen Mustern, die mit einem bestimmten Status verbunden sind“, definiert. (Wiswede 1977) Daraus folgt, dass das Funktionieren der Gesellschaft über bestimmte Rollen gewährleistet ist. Würden wir...