Max und das Eichhörnchen

Als Max von der Arbeit kam, fragte ihn ein Eichhörnchen, wie viel Uhr es sei. Max gefiel dessen Brille aber nicht, darum nuschelte er nur, dass es Zeit sei. Das Eichhörnchen konnte sich damit nicht zufrieden geben: „Entschuldigen Sie, Mister, ich habe höflich gefragt, da kann man ja wohl auch eine angemessene Antwort erwarten.“ „Angesicht der Form Ihrer Brille ist meine Antwort eigentlich noch viel zu förmlich“, entgegnete Max mürrisch. Das Eichhörnchen war empört: „Meine Brille entspricht allen formalen Kriterien einer stilsicheren öffentlichen Erscheinung. Offenbar benötigen Sie selbst eine Sehhilfe, um diesen Umstand zu erkennen!“ Max konnte das nicht auf sich sitzen lassen: „Mit meinen Augen ist alles in Ordnung. Haben Sie sich überhaupt einmal im Spiegel betrachtet? Sie haben sich einen Miniaturklodeckel auf die Nase geklemmt und diese Hässlichkeit wollen Sie mir als Sehhilfe verkaufen?!“ „Mister, zuerst einmal möchte ich Ihnen nichts verkaufen, da mein Nusswarenladen bereits geschlossen ist, und zweitens wollte ich doch nur die Uhrzeit erfahren. Und nur zu Ihrer Information: Die Brille habe ich heute erst erstanden. Man hat mir beim Kauf versichert, dass sie von exzellenter Qualität sei. Der Verkäufer betonte, dass sie besonders geeignet ist, wenn man gerne liest, während man sein Geschäft erledigt. Und da ich öfters ein Buch zur Hand nehme, wenn gerade kein Kunde bei mir einkauft, halte ich dies für eine optimale Wahl.“ „Waren Sie überhaupt bei einem Optiker?“, fragte Max. „Ach, das war so ein Laden, wo es alles Mögliche gab. So ein Krämerladen eben. Habe dem Herrn dort direkt gesagt, dass ich eine Brille brauche.“ „Sie haben sich eine Klobrille gekauft. Wo man sich zum Scheißen draufsetzt und so.“, sagte Max trocken und ging weiter. Das Eichhörnchen nahm etwas Anlauf, sprang auf Max‘ Schulter, dann auf seinen Kopf, legte die Klobrille nieder und entledigte sich dadurch auf den Schädel. Noch bevor Max sich beschweren konnte, durchzog seinen Körper vom Scheitel bis zur Sohle ein prickelndes Gefühl, als würde ein warmer Sonnenstrahl seine Blutbahn durchströmen. So befreit hatte sich Max schon lange nicht mehr gefühlt. „Herzlichen Glückwunsch, Mister.“, sprach das Eichhörnchen, „Ich bin ein Wahrheitsengel. Jedem, der zu mir die Wahrheit spricht, ist ein freudiger Abend beschert.“ Da wirbelte das Eichhörnchen in die Luft und verpuffte in einem hellen Blitz klaren weißen Lichts.

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