Breakthrough – Übereinstimmungen des Plots von Contact und der subjektiv erlebten Wirkung von Dimethyltriptamin

In dem Film Contact (1997) stellt die Protagonistin Ellie Arroway im Rahmen des SETI-Projekts Kontakt zu einer außerirdischen Intelligenz her. Diese übermittelt ihr Pläne für eine Konstruktion, die es mutmaßlich ermöglicht, zu deren Planeten zu reisen. Das Gefährt wird gebaut und Arroway darf es ausprobieren. Was sie dann erlebt, stimmt in erstaunlich vielen Punkten mit anekdotischen Berichten der Wirkung von N,N-Dimethyltriptamin (DMT) auf den menschlichen Geist überein. DMT ist mutmaßlich in allen Lebewesen enthalten, sprich eine körpereigene Substanz, und strukturell simpler als Serotonin (quasi nicht viel mehr als eine Aminosäure). Gleichzeitig ist es bei exogener Zuführung die psychedelisch wirksamste Substanz und evoziert visionäre Zustände unbegreiflichen Ausmaßes. Bei einer hohen Dosis kann es zu einem sogenannten Breakthrough kommen. In diesem Fall wird die Alltagsrealität komplett aufgehoben und dem jeweiligen Bewusstsein erschließt sich eine neue Dimension. Die beste Analogie hierzu wäre ein ungemein plastischer Traum. Was nun erlebt Ellie, das auch der DMT-Reisende gegebenenfalls zu erleben vermag? Die folgenden Punkte stellen ihre Reise diesbezüglich chronologisch dar.

  • Die Erfahrung wird eingeleitet durch Verlust der wahrgenommenen Stabilität der Objekte im Raum.
  • Das Geräusch eines intensiven Rauschens stellt sich ein.
  • Arroway wird in eine Art Tunnel gezogen, der durch beeindruckende Farbspiele und Muster besticht und in hoher Geschwindigkeit passiert wird.
  • Eine unmittelbare Verbindung mit einer höheren Intelligenz wird initiiert.
  • Der Tunnel führt zu einer hellen Lichtquelle. Ist der Tunnel passiert, ist der sogenannte Breakthrough geschehen.
  • Das Universum wird nicht mehr als „da draußen“ erfahren, Subjekt und Objekt verschmelzen.
  • Eine Art Raumschiff wird von der Protagonistin gesehen, eine fremde Welt wird erfahren.
  • Die Beschränkungen von Zeit und Raum werden aufgehoben. Die Protagonistin (oder zumindest der Zuschauer) hat Visionen der Zukunft.
  • Das Morphen der Objekte im Raum – hier die Raumkapsel – nimmt extreme Ausmaße an.
  • Eine neue Welt in Form des fremden Planetensystems kann bestaunt werden.
  • Geometrische Dimensionen ungeahnter Schönheit werden enthüllt. Die Protagonistin spricht entrückt: „Es ist so, so wunderschön.“
  • Die Erfahrung ist unaussprechlich und nicht vorhersehbar, da sie nicht dem kulturell-normativ erlerntem Weltbild entspricht. Arroway staunt: „Ich hatte keine Ahnung. Sie hätten einen Poeten schicken müssen.“
  • Die Protagonistin schwebt ohne Kapsel im Raum. Dies kann sowohl als Out-of-body-experience interpretiert werden als auch als Sinnbild der Aufhebung von Dualität (Arroways Geist und das Universum als Einheit).
  • Sie landet an einem überirdisch schönen Strand, ein Locus amoenus, der einerseits die übliche Vorstellungskraft übersteigt und andererseits ebenso real empfunden wird wie ein irdischer Ort.
  • Arroway betrachtet einen farbigen Strudel extremer Schönheit auf dem Prinzip heiliger Geometrie.
  • Ihr erscheint ihr verstorbener Vater. An diesen Umstand sind direkt zwei DMT-Motive gekoppelt: 1. Die Herstellung einer unmittelbaren Verbindung zu Ahnen. 2. Die Wiederverbindung mit traumatischen Erlebnissen der Vergangenheit zwecks heilender Integration.
  • Ein ebenso regelmäßiges Motiv von Breakthrough-Erfahrungen ist der Kontakt mit (subjektiv empfunden) fremden Entitäten. Nicht selten werden sie als mit einer höheren Weisheit ausgestattet beschrieben. Dies lässt sich auch als eine höhere Bewusstseinsstufe verstehen, die mit dem persönlichen Alltagsbewusstsein kommuniziert. In spirituellen Kreisen wird eine solche hohe Bewusstseinsstufe als „höheres Selbst“ kommuniziert. In Begriffen klassischer Psychoanalyse heißt das: Das Unbewusste im jungschen Sinne und das „Ich“ treten in bewussten Kontakt.
  • Arroways Gespräch mit einem formwandelnden Alien entspricht strukturell beziehungsweise metaphorisch einem Gespräch zwischen Alltags-Ich und „höherem Selbst“.
  • Der Alien spricht: „Um die Leere auszufüllen haben wir einander.“ Die wesentlichste Botschaft dieses Gesprächs ist also die Betonung der Liebe als Grundprinzip eines gelingenden Lebens.
  • Wenn die Protagonistin aus ihrer Perspektive zurückkehrt, ist kaum Zeit vergangen. Aus Sicht der sonstigen Beteiligten ist das Raumfahrt-Experiment gescheitert. Erlebte Zeit und faktische Zeit weichen radikal voneinander ab. Während DMT faktisch nur einige Minuten wirkt, beschreiben Probanden die erlebte Zeit nicht selten als sehr ausgedehnt bis ewig. Dass nur 10 Minuten vergangen sein sollen, ist für sie kaum zu glauben.

Es ist anzumerken, dass derart positive Erfahrungen mit DMT nur machen kann, wer bereit ist, loszulassen und sich der Wirkung der Substanz zu ergeben. Was der Grund für dermaßen viele Übereinstimmungen sein mag, lässt sich nur sehr theoretisch ergründen. Möglicherweise waren die Drehbuchschreiber James V. Hart und Michael Goldenberg von einer DMT-Erfahrung inspiriert. Der Film basiert auf dem Roman Contact des Astronoms Carl Sagan, der dafür bekannt war, sich mit “Bewusstseinserweiterung” und der Erschließung neuer Dimensionen in diversen Formen auseinanderzusetzen. Möglicherweise sind die Parallelen aber auch darin begründet, dass hier der archetypische Aufbau einer radikalen psychedelischen Erfahrung seinen Ausdruck findet. Aufgrund der simplen chemischen Struktur von DMT, dessen globalem Vorkommen und dessen entgrenzendem und andere Psychedelika übersteigenden Effekt ist es nicht zu weit hergeholt zu erwägen, inwiefern dieses Molekül eine maßgebliche Rolle für bewusstes Lebens in unserer Welt einnimmt. Intuitiv erfasst der Film die Grundstruktur der radikalen visionären Bewusstseinserweiterung, die exogen zugeführtes DMT in hohen Dosen verursacht. Zum Ende des Films muss Arroway ihre Erfahrung gegenüber Skeptikern verteidigen. Mit ihrer Schlussrede wird sich ein großer Teil der Menschen identifizieren können, der eine entsprechende Erfahrung mit DMT gemacht hat, aber prinzipiell auch jeder, dem anderweitig eine entsprechende mystische Erfahrung zuteilwurde: „Ich hatte ein Erlebnis. Ich kann es nicht beweisen, ich kann es nicht mal erklären. Aber alles, was ich ganz genau weiß als Mensch, einfach alles, was ich bin, sagt, es ist wirklich passiert. Mir wurde etwas geschenkt, etwas Wunderschönes, das mich in alle Ewigkeit verändert. Eine Vision des Universums, die uns ohne jeden Zweifel sagt, wie klein und unwichtig und wie ungewöhnlich und wertvoll wir alle sind. Eine Vision, die uns sagt, dass wir Menschen zu etwas gehören, das viel größer ist als wir, dass wir nicht allein sind, keiner von uns, nicht eine Sekunde. Ich wünschte, dass ich das teilen könnte. Ich wünschte, dass jeder Mensch, und sei es auch nur für einen Moment, sie fühlen könnte, diese Hochachtung und Demut und die Hoffnung. Aber das ist sicher ein unerfüllbarer Wunsch.“

Breakthrough in Contact:

Anekdotischee Berichte eines Breakthroughs mit DMT:

Alien-Kontakt und DMT:

1 Antwort

  1. Lars sagt:

    und wieder: wow ! Genial, einer meiner absoluten Lieblingsfilme, in einem sehr interessanten Zusammenhang.
    Bisher hatte ich Psylocibin als die “weitreichendste” Droge betrachtet.

    Nun gut, hier gibt es noch einiges zu entdecken, glaube ich !
    *gemerkt*

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