Verschlagwortet: Psychoanalyse

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Die Quintessenz von C.G. Jungs Metaphysik nach Bernardo Kastrup

Bernardo Kastrup formuliert im 2021 erschienenen Buch „Decoding Jung’s Metaphysics“ eine gelungene Zusammenfassung der ontologischen Philosophie von C.G. Jung – und erklärt nebenbei die Bedeutung des Lebens. Dabei wird deutlich, wie eng Psychoanalyse, Philosophie und Spiritualität verwoben sind. Synchronizität Der berühmteste Begriff aus der jungschen Psychoanalyse, der in den allgemeinen Sprachgebrauch aufgenommen wurde, ist der der Synchronizität. Grundsätzlich wird von Synchronizität gesprochen, wenn ein innerer psychischer Vorgang mit einem äußeren physischen Ereignis semantisch akausal korreliert. Die Bedeutungsäquivalenz sollte derart deckungsgleich und unerwartbar sein, dass das Ereignis über die Definition eines Zufalls hinausgeht. Jung gab als prototypisches Beispiel eine Analysesitzung an,...

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Der autoritäre Charakter – eine Bestandsaufnahme

Durch die Hedonisierung des Lebens in den letzten Jahrzehnten galt die Persönlichkeitsstruktur des Autoritären Charakters, wie ihn Fromm und Adorno beschreiben, als abnehmendes Phänomen. Infolge der Coronakrise gelang der Autoritäre Charakter wieder an Aufwind. Allerdings tritt er weniger als spezifisch individuelle Persönlichkeit in Erscheinung, sondern als Bündel von Verhaltensphänomenen, die kollektiv zunahmen beziehungsweise an die Oberfläche kamen. Ohne frühkindliche Traumatisierung sind entsprechend rigide Verhaltensweisen nicht möglich, da ihnen ein zwischenmenschlicher Verbindungsverlust vorausgegangen sein muss. Egal ob wir die Züge bei uns selbst oder bei anderen ausmachen, die richtige Antwort lautet immer Verständnis und Liebe. Zur Bewusstmachung ist es nichtsdestotrotz sinnvoll,...

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Die Notwendigkeit der Flexibilität der Sprachanwendung

„Der Sinn erweckt den Anschein, als gehörten Signifikanten und Signifikat zusammen. Es bleibt aber ein Rest, der sich dem Sinn entzieht. Diese fehlende vollständige Zuordnung ermöglicht das Gleiten der Signifikate unter den Signifikanten, was zu der Feststellung führt, daß der Sinn nie erschöpft, nie vollkommen ist. Darum ist eine Rede, eine Schrift nie für immer abgeschlossen. Darin zeigt sich ein grundsätzlicher Mangel.“ Peter Widmer: Subversion des Begehrens: Eine Einführung in Jacques Lacans Werk, S. 47.   Je mehr Sprache schablonenartig verwendet wird, desto eher wird Kommunikation scheitern. Jeder Mensch erlebt die Welt auf eine subjektive einzigartige Weise. Das betrifft auch...

Depression Antidepressiva Wirkung zeitverzögert 1

Warum der Wirkungseinsatz von Antidepressiva individuell ist

Es wurde viel darüber spekuliert, warum Antidepressiva in Form von Serotoninwiederaufnahmehemmern (SSRI) in den meisten Fällen erst nach 2-6 Wochen den gewünschten Effekt zeigen – wenn überhaupt. Biochemisch erhöhen SSRI den Serotoninspiegel ab der ersten Einnahme. Da viele SSRI eine lange Halbwertszeit haben, dauert es ein paar Tage, bis ein für eine Wirkung signifikanter Spiegel erreicht ist. Nach diesen initialen Tagen sollten sie aber theoretisch den antidepressiven Effekt ausspielen. In vielen Fällen dauert es stattdessen deutlich länger, bis die antidepressive Erhebung einsetzt. Ein Grund dafür, dass Depression nicht auf eine Störung der Serotoninversorgung reduziert werden kann. Nichtsdestotrotz kann die Erhöhung...

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Another Earth: Vergebungsbegehren als Gravitationsfeld

Die Erde zieht in Another Earth eine vermeintliche Kopie ihresgleichen an. Äquivalent gilt die Gravitation des Films dem Beweggrund der Vergebung. Die Protagonistin Rhoda Williams verursacht einen Autounfall mit tödlichem Ausgang, der ein ganzes Familienleben beendet. Der einstige Professor und Familienvater John Burroughs liegt lange Zeit im Koma und vegetiert danach depressiv und alkoholkrank vor sich hin. Williams fühlt sich nach offiziell verbüßter Strafe innerlich kalt und derealisiert und legt sich in die eiskalte Nacht um zu sterben. Ihr interner Zustand wird unmittelbar mit der kontextualen Konfiguration des Plots in Einklang gebracht. Das Säubern der Schule (sie übernimmt einen Job...

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Die Notwendigkeit von Paul Rebillots Heldenreise in einer kafkaesken Welt

Paul Rebillot (1931-2010) war ein amerikanischer Dramaturg und Psychotherapeut. Von ihm stammt das therapeutische Konzept der Heldenreise, das auf Joseph Campbells mythologischer Theorie der Heldenreise basiert und Theater und Therapie vereint. Die Heldenreise ist nicht nur ein oberflächliches Schauspiel, sondern erlaubt dem jeweiligen Helden den tiefenpsychologischen Durchlauf eines archetypischen Grundmusters. Der Teilnehmer durchläuft dabei verschiedene Stadien, die sich sowohl aus individuell imaginierten Vorstellungen als auch aus real gespielten Szenen zusammensetzen. Die Teilnehmer lernen so, mit inneren verborgenen Feindseligkeiten umzugehen und positive Selbstsicherheit zu entwickeln.

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Zur Konstruiertheit diagnostischer Kategorien

Das DSM-V dominiert die psychopathologische Diagnostik. Gerne unberücksichtigt bleibt dabei, dass alle Diagnosen im Bereich der Psyche konstruiert sind. Es sind vom Menschen erdachte Kategorien, die heterogenen Phänomenen zugewiesen werden. So genannte psychische Störungen sind einerseits nicht derart voneinander abgrenzbar, wie es üblicherweise dargestellt und kommuniziert wird, und gestalten sich andererseits bei jedem Menschen etwas anders. Die Grenzen sind nicht nur fließend, es gibt sie überhaupt erst dadurch, dass durch Begriffe wie Borderline oder Dissoziation bestimmte Kategorien, die als hermetisch gelten sollen, evoziert werden. Diese Kategorien sind der Kommunikation wegen sinnvoll. Sie dienen dazu, Phänomene intersubjektiv zu erfassen und zu...

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Slow West: Die Friendzone als ödipale Katastrophe

Achtung, starker Spoiler! Der Neo-Western Slow West erzählt die Geschichte des jungen Jay Cavendish, der gen Westen reitet, um seine Liebe Rose Ross wiederzufinden. Einst wurde Jay von seinem Onkel unter ihrem Bett aufgefunden, wodurch es zu einer handfesten Auseinandersetzung mit ihrem Vater John kam. Der gut betuchte Onkel starb infolgedessen, so dass Rose mit ihrem Vater in den Westen fliehen musste. Obwohl Rose explizit gegenüber Jay formulierte, dass dieser nur wie ein Bruder für sie sei, hält er entschieden an seiner Liebe fest. Gegen Geld erhält er Unterstützung vom Kopfgeldjäger Silas Selleck, auch gegen weitere Kopfgeldjäger. Der Film erzählt...

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Enemy – Analyse, Interpretation und Erklärung

Achtung, starker Spoiler! Obwohl Denis Villeneuves Enemy streng durchkomponiert ist und jede Szene und jeder Satz auf einer tieferen Ebene semantisch geladen sind, ist eine rationale kohärente Deutung des Films kaum möglich. Dazu spielt er zu sehr mit der Nicht-Erfüllung des Bedürfnisses des Zuschauers nach vollständiger Auflösung. Nichtsdestotrotz lassen sich die meisten Teile dieses Puzzles erklären und zu einem sinnvollen Bild zusammenfügen. Chris Stuckman hat die Eckpfeiler einer plausiblen Lesart in seiner Analyse bereits herausgearbeitet. Enemy handelt von einem Mann, der seiner Frau untreu ist, aber reuevoll zu ihr zurückkehrt. Er hat Ambitionen, Schauspieler zu werden, ist jedoch nicht talentiert...

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Robocop – Neurotischer Selbstverlust im Großen Anderen

Neben der dezidierten Kritik an der amerikanischen Kriegsführung veranschaulicht José Padilhas Robocop noch etwas anderes: Die Desintegration der imaginären Sphäre aus dem Realen und dem Symbolischen. Der Film strukturiert eine Bogenbewegung von der imaginären Einheit (in Form des familiären Zentrums) ausgehend über deren radikalen Verlust hin zu einer gemäßigten Wiedereingliederung in die Symbolische Ordnung.

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