Kategorie: Deutsch

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Das Missverständnis vieler Meditationsbeginner

Wer mit Meditation beginnen möchte, hat meistens ein bestimmtes Bild vor Augen, eine bestimmte Vorstellung, was richtige Meditation sei, was dabei passieren sollte und was dabei nicht passieren sollte. Doch wenn ein Novize sich der Meditationspraxis widmen möchte, stellt er rasch fest, dass das, was bei ihm passiert – oder nicht passiert –, nicht dem entspricht, was seiner Meinung nach idealerweise passieren sollte. Anstatt im Lotussitz gerade sitzen zu können, bekommt man Rückenschmerzen. Anstatt in Ruhe einkehren zu können, findet der Gedankenstrom keine Rast. Anstatt Beruhigung zu finden, nimmt ein Gefühl von Unruhe und Nervosität zu. Anstatt Emotionen abzukühlen, flammen...

Die Kunst des Weinens 1

Die Kunst des Weinens: Das heilsame Potential von Authentizität

Das Phänomen des Weinens und unsere Emotionalität sind eng verknüpft: Laut einer Studie beeinträchtigt Weinen die Konzentrationsfähigkeit eines Erwachsenen mehr als Maschinengeräusche gleicher Lautstärke. Weinen ist nicht ein besser zu unterdrückender überflüssiger Appendix ungereifter Kindlichkeit, sondern essentiell für emotionalen Tiefgang eines voll entwickelten Subjekts und damit verbundene Selbstakzeptanz. Wir alle kennen neben Tränen des Leids auch Tränen der Freude oder Tränen der Gerührtheit. Weinen ist also nicht gleich Weinen. Wenn wir aus Freude oder Gerührtheit weinen, geschieht dies in der Regel ohne Mitwirkung des Verstandes. Weinen wir aus Leid, schaltet sich der Verstand jedoch gerne ein und bewertet sowohl den...

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Rollentheorie in Bezug auf die Bildung von Identität

Der Kulturanthropologe Ralph Linton legte in seinem 1936 erschienenen Werk „The Study of Man“ die Grundlage der soziologischen Rollentheorie. Darin erarbeitete er eine Unterscheidung zwischen Sozialem Status und Sozialer Rolle. Während der Status die Position eines Individuums in einem kulturell bestimmten Muster sei und mit bestimmten Rechten und Pflichten einhergeht, versteht Linton die Rolle als die individuelle Ausfüllungsart dieser Position. Er bringt seine Begriffsbestimmung auf den Punkt, wenn er die Rolle als „Gesamtheit von kulturellen Mustern, die mit einem bestimmten Status verbunden sind“, definiert. (Wiswede 1977) Daraus folgt, dass das Funktionieren der Gesellschaft über bestimmte Rollen gewährleistet ist. Würden wir...

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Die Notwendigkeit der Flexibilität der Sprachanwendung

„Der Sinn erweckt den Anschein, als gehörten Signifikanten und Signifikat zusammen. Es bleibt aber ein Rest, der sich dem Sinn entzieht. Diese fehlende vollständige Zuordnung ermöglicht das Gleiten der Signifikate unter den Signifikanten, was zu der Feststellung führt, daß der Sinn nie erschöpft, nie vollkommen ist. Darum ist eine Rede, eine Schrift nie für immer abgeschlossen. Darin zeigt sich ein grundsätzlicher Mangel.“ Peter Widmer: Subversion des Begehrens: Eine Einführung in Jacques Lacans Werk, S. 47.   Je mehr Sprache schablonenartig verwendet wird, desto eher wird Kommunikation scheitern. Jeder Mensch erlebt die Welt auf eine subjektive einzigartige Weise. Das betrifft auch...

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Exogenes Melatonin als psychedelisches Instrument

  Träume sind unparteiische, der Willkür des Bewusstseins entzogene, spontane Produkte der unbewussten Seele.                           C.G. Jung   Melatonin wird vor allem in der Zirbeldrüse produziert, wenn wir uns in der Dunkelheit befinden. Das Hormon wird aber auch in der Netzhaut und im Darm gebildet. In der Nacht steigt die Konzentration bis auf das Zwölffache an. Es vermittelt den biologischen Rhythmus der Schläfrigkeit und bestenfalls einen erholsamen Schlaf. Um Einfluss auf die Schläfrigkeit zu nehmen, kann Melatonin nebenwirkungsfrei exogen zugeführt werden. Dies sollte allerdings nicht regelmäßig geschehen, so...

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Die Misslichkeit der Meinung

„Meinen ist ein mit Bewußtsein sowohl subjektiv als objektiv unzureichendes Fürwahrhalten.“                                                                                                          Immanuel Kant Ist es sinnvoll, stolz auf eine Meinung zu sein? Eher könnte man stolz sein, eine Meinung zu vertreten. Doch wie sehr sollte eine Meinung mit Inbrunst vertreten werden? Je mehr Emphase wir auf eine Meinung...

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Elemente der DMT-Erfahrung in The OA (Pt. II)

Dieser Text enthält Spoiler. Er setzt sowohl die Rezeption der Serie als auch die Kenntnis einer Terminologie rund um die DMT-Erfahrung voraus. N,N-Dimethyltryptamin ist eine körpereigene Substanz, die bei exogener Zufuhr unmittelbar tief visionäre Zustände erzeugt und insbesondere kombiniert mit MAO-Hemmern ein enormes therapeutisches Potential besitzt. Die Netflix-Serie „The OA“ besticht durch eine komplexe Multiverse-Story, die trotz allem mystischen Touch nicht aufgesetzt wirkt. Die Serie spielt hauptsächlich in der alltäglichen Welt, strukturiert ihren Plot aber über Ausflüge in andere Bewusstseinszustände und kreiert eine Synthese aus der geläufigen Wirklichkeit und Mystery. Die traumartige Plotstruktur verschafft ihr das Charisma eines postmodernen Magischen...

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Die Verabschiedung des Denkens als Grundlage der Seinserschließung

„Ich denke, wo ich nicht bin, also bin ich, wo ich nicht denke. […]  Man muss sagen, ich bin nicht, da wo ich das Spielzeug meines Denkens bin; ich denke an das, was ich bin, da wo ich nicht zu denken denke.“ (Jacues Lacan, Schriften 2, S. 43)   Lacans gleichzeitig sinnvoll und sinnleere Umdrehung des cartesianischen „cogito ergo sum“ zeigt, wie die lacansche Psychoanalyse dem rationalistischen Erkenntnisprinzip zu entwachsen versuchte, ohne auf die Akrobatik des dualen Sprachgebrauchs zu verzichten. Lacan stellt die fatale Ausweglosigkeit des erkenntnistheoretischen Denkens pointiert heraus, indem er darlegt, dass diesem ein Nicht-Denken nur über das...

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Die Dissoziative Identitätsstörung als Erklärungsmodell des Lebens im Universum

Bernado Kastrups Ansatz, die Umstände des Lebens im Universum mit der sogenannten Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) zu erklären, wird inzwischen weitläufig diskutiert. Es ist eine intelligente Analogie, die für ein intellektuelles Verständnis der ontologischen Wesentlichkeit des Bewusstseins hervorragend geeignet ist. Womöglich ist diese Analogie die beste, die uns zur Verfügung steht. Gleichzeitig hat auch sie ihre Grenzen, da sich die pathologischen Bedingungen der DIS nicht auf die Bedingungen des universal-individuellen Lebens übertragen lassen. Bewusstsein an sich ist eine primäre Konstante des Seins. Lebenwesen sind demnach Produkte des einen Bewusstseins. Sie begreifen sich jedoch als eigenständige Lebensformen mit separierter individueller Erscheinungsform. Die...

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Die Relevanz der Bereitwilligkeit bezüglich des Fühlens

Bereitwilligkeit ist ein entscheidender interner Faktor für die Qualität des Resultats einer Tätigkeit. Wenn wir etwas bereitwillig tun, sind wir von der Sinnhaftigkeit der Tätigkeit überzeugt und wünschen ein gutes Ergebnis, sind also bereit und willig, Energie und Zeit zu investieren. Sie bringt uns dazu, uns einer Sache zu widmen und bei widrigen Umständen nicht klein beizugeben. Mit Bereitwilligkeit kostet jede Tätigkeit weniger Mühe. Sie bringt eine Leichtigkeit mit sich, so dass es uns sogar erscheinen mag, als vollzöge die Tätigkeit sich von selbst. Wenn wir von Herzen bereit sind, eine Aufgabe zu vollenden, lassen wir uns auch von unerwarteten...